Andreas I. Smarzly (um1730-1825)
 
Laut Altersangabe bei seinem Sterbenseintrag, fällt die Geburt von Andreas I. Smarzly in das Jahr 1727/28. Obwohl in der Pfarrei Deutsch Müllmen die Taufen bereits schriftlich erfasst wurden, fehlt dort der Eintrag über seine Geburt bzw. die Taufe. Da es aus dem späterem Heiratseintrag bekannt ist, dass Andreas aus Blaschewitz stammte, erscheint es am naheliegensten, dass er ein Sohn von Joseph I. und Marianna Smarzly war und wohl erst kurz nach der Hochzeit seiner Eltern im Jahre 1732 geboren wurde.
 
Dass Andreas ein Spross der in Blaschewitz existierenden Smarzly Sippe ist, bezeugt der Eintrag seiner Vermählung am Dienstag, den 24. Januar 1764 in Deutsch Müllmen, wonach der Junggesell aus Blaschewitz Andreas z Marzly die Marianna Kubiß, Tochter des Einliegers Jacob Kubiß aus Mochau, in Gegenwart der Zeugen Jacob Moßig aus Mochau und Joseph Swietek aus Blaschewitz, ehelichte.
 
Von den acht Kindern des Ehepaares schafften es Andreas und Marianna sechs großzuziehen. Die Töchter Maria, Candida, Agatha und Susanna heirateten später alle im Heimatort Blaschewitz und lebten hier mit ihren Familien. Der 1768 geborene älteste Sohn Jacob erscheint später nur noch einmal nach dem Tod seines Vaters hier als Miterbe. Wahrscheinlich hat er auswärts eingeheiratet. Der zweite lebende Sohn Andreas II. sollte später die Linie der Familie Smarzly in Blaschewitz fortsetzen. Die jüngeren Brüder Casimirus und Valentin starben im Kindesalter.
Interessant ist im Zusammenhang mit den Taufeinträgen der Kinder die jeweilige Angabe des Geburtsnamens ihrer Mutter Marianna Smarzly geb. Kubiß. Während bei fünf Taufen der Geburtsname der Mutter gar nicht erscheint, wird sie 1768 als „Marina Schusterin“, 1772 als „Maria Kuboczkin“ und 1777 gar als „Marina Jankulin“ genannt. Da es als gesichert gilt, dass es sich jeweils um die gleiche Person handelt, sind diese Unterschiede nicht erklärbar.
 
Andreas Smarzly bewirtschaftete in seiner Wirkungszeit die gleiche Gärtnerstelle, die noch bis 1876 im Familienbesitz verbleiben sollte. Vermutlich war es auch die gleiche Stelle, die bereits sein Großvater Bartholomäus I. Smarzly bewirtschaftet hatte. Höchstwahrscheinlich übenahm er die Gärtnerstelle von seinem Vater im Jahre 1764, nachdem er zum Anfang dieses Jahres geheiratet hatte. 1772 wird er im Kirchenbuch als „Bauer Andreas Zmarsly bezeichnet. Möglicherweise hat er zu diesem Zeitpunkt Land dazugepachtet, was den Kirchenbuchschreiber zu diesem Irrtum veranlasste.
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Ein oberschlesisches Gärtnerhaus, wie es auch die Familie Smarzly im 18. Jahrhundert im Blaschewitz bewohnt haben wird.
Das Innere (Küche/Wohnstube/Schlaffzimmer) eines Hauses von kleinen Ackerleuten auf dem Lande.
(Aus S. u. W. Jacobeit "Illustrierte Alltagsgeschichte des deutschen Volkes, Band I")
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Es war ein bewegtes Zeitalter welches das lange Leben von Andreas zeichnete. Schon in seiner Kindheit und Jugend musste seine Familie harte Zeiten durchstehen. Andreas war noch ein Kind, als der Sommer des Jahres 1736 in seiner Heimat so nass war, dass die Ernte verdarb und durch zwei Jahre so große Teuerung in Schlesien entstand, dass die Landwirte Getreide aus Mähren und Böhmen einfahren und die armen Leute Brot in Mähren kaufen mussten. Die Winter der Jahre 1739 und 1740 kamen wieder so überraschend früh und wurden so bitter kalt, dass nicht nur Obst auf Bäumen gefroren ist und viele Bäume zu Grunde gegangen sind, sondern es kam auch eine große Anzahl von Menschen durch Erfrierungen zum Tode. Kurze Zeit später, in den Jahren 1740/42 und 1744/45 bedrückten die ersten zwei Schlesischen Kriege das Volk. Schlesien fiel an das Königreich Preußen, wenige Kilometer südlich vom Heimatort unserer Vorfahren wurde Oberschlesien geteilt und es entstand eine neue Grenze zum österreichisch-kaiserlichen Böhmen. Im dritten Schlesischen Krieg (1756-1763) erlitten die Bewohner unserer Gegend noch mehr Not und Elend. Möglicherweise wurde Andreas Smarzly ebenfalls zur Armee eingezogen. Es erscheint zumindest wenig zufällig, dass er ausgerechnet knapp ein Jahr nach dem Ausgang des Dritten Schlesischen Krieges, rund fünfunddreißigjährig heiratete und eigene Familie gründete.    
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Preußische Infanterie bem Angriff während des Dritten Schlesischen Krieges (1756-1763).

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Ein Jahr nach ihrer Vermählung wurden sicher auch Andreas und Marianna aus ihren Betten aufgeschreckt, als in der Nacht zum 05. Oktober 1765, um 2 Uhr, das naheliegende Städtchen Oberglogau, das Zentrum der Region, in Feuerflammen stand. Aus sicherer Entfernung konnten sie beobachten, wie die ca. eintausend Bürger zählende Kleinstadt innerhalb von nur einer Stunde zum größten Teil in Asche gelegt wurde, es verbrannten 204 Gebäude. Im Oktober des kommenden Jahres 1766 zerstörte ein schwerer Sturm die Turmspitze des Kirche in Deutsch Müllmen, die beim Abstürzen beinahe einen in der Nähe weilenden Kirchendiener erschlagen hätte. Eine große Teuerung, die 1771 begann und drei Jahre andauerte, die Aufhebung einer Reihe von katholischen Feiertagen durch die Regierung im Jahre 1772 und der Bayrische Erbfolgekrieg mit den Österreichern im Jahre 1778, während dessen das oberglogauer Grenzgebiet von umherstreifenden österreichischen Soldaten unsicher gemacht wurde, erschwerten das Leben unserer Vorfahren in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts.
 
Am 25. Januar des Jahres 1783 starb der fünfjährige Sohn von Andreas und Marianna, Valentin, an Stickfluss (Husten). Der kommende Sommer dieses Jahres wurde sehr heiß und es kam zu einer Raupenplage auf den Feldern und Bäumen, welche die gesamte Ernte bedrohte. Ein Jahr darauf, im Sommer 1784, verheiratete Andreas seine älteste, neunzehnjährige Tochter Maria mit dem fünf Jahre älteren Bauernsohn Georg Gabrisch. Im Februar und März des Folgejahres kehrte der Winter mit einer so großen Kälte und vielen Schneemassen zurück, so dass viel Wild erfroren ist und unsere Altvorderen noch Anfang des Monats Juni die Kuppen des nahen Riesengebirges mit Schnee bedeckt betrachten konnten.
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Tracht eines oberschlesischen Landbewohners gegen Ende des 18. Jahrhunderts

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Am 06. Februar 1786 gab es im Hause Smarzly erneut eine Hochzeitsfeier. Die zweitälteste, zwanzigjährige Tochter Candida ehelichte den rund zehn Jahre älteren Bauern Mathäus Kitta. Nur drei Wochen später kam es in der Nacht von 26. auf den 27. Februar in Blaschewitz, wie in der gesamten Region von Ratibor über Katscher, Leobschütz, Oberglogau bis in das Glatzer Land, zu einem hier bis dahin nicht gekanntem bzw. nicht verzeichnetem Ereignis. Ein Erdbeben, welches gegen 1 Uhr in der Nacht die Menschen aus ihren Häusern in die sternenklare Nacht ins Freie getrieben hatte, erschüttete die Erde. Die Schäden hielten sich zwar letztlich in Grenzen, die mit solchen Ereignissen bisher niemals konfrontierte Bevölkerung versetzte das Erdbeben jedoch in eine große Angst. Es gab noch Nachbeben am 28. Februar und am 03. März. Im August dieses Jahres fielen auch starke Regengüsse, die Ernte drohte wieder mal vernichtet zu werden. Im gleichen Monat starb auch König Friedrich der Große und eine Ära ging zu Ende. Es wurde für den verstorbenen König eine halbjährige Landestrauer ausgeschrieben und jede Feierlichkeit untersagt. Durch sechs Wochen mussten täglich von 12-13 Uhr in allen Kirchen die Glocken geläutet werden. 1787 wurde das Getreide wieder sehr teuer, es herrschte erneut große Not und im Dezember 1788 erfroren allerorts Menschen durch klirrende Kälte. Im Jahre 1789 wurden von der Regierung weitere kirchlichen Feiertage (Maria Geburt und Maria Himmelfahrt) aufgehoben und auf die nächsten Sonntage verlegt, fortan mussten alle Kirchenfeste an den Sonntagen gehalten werden. Zwei Jahre später gingen vier so große Stürme durchs Oberglogauer Land, wie sie die hiesige Bevölkerung noch nicht erlebt hatte. Und am 5. September 1793, um 12.51 Uhr, wurde der Tag zur Nacht, in Südoberschlesien konnte man das einzigartige Phänomen einer Sonnenfinsternis beobachten, eine Erscheinung, welche sicherlich auch unseren Andreas und seine Familie begeistert, möglicherweise aber auch geängstigt haben wird. Im Februar 1794 verheiratete Andreas seine dritte Tochter Agatha (geboren 1772) mit dem gleichaltrigen Gärtnersohn Andreas Koschik. Es folgte ein dürrer Sommer, die karge Ernte führte zur erneuten Teuerung von Brot. Im Januar 1796 gab es wieder so warme Witterung, dass die Bewohner barfuss gehen konnten. Ob dieses Klima noch anhielt, als im darauf folgenden Monat der jüngere Sohn Andreas II. heiratete, ist unbekannt. Am 31. Juli dieses Jahres kam ein schreckliches Gewitter über Blaschewitz und die umliegenden Dörfer, viele Häuser wurden durch den gleichzeitig herrschenden Sturmwind eingerissen.  

In diesem Jahr begab sich Andreas Smarzly nach zweiunddreißig Jahren schwerer Arbeit auf der eigener Gärtnerstelle und auf den Feldern der Barone von Gruttschreiber auf Gläsen, in den Ruhestand und zog mit seiner Frau Marianna auf den Auszug der Familie. Vorher hatte er sein Haus und Hof mit Acker an seinen vor kurzem vermählten Sohn Andreas II. weitergegeben. Am 09. Februar 1801 erlebten Andreas mit Marianna noch gemeinsam die Hochzeit ihrer jüngsten Tochter Susanna mit dem vier Jahre älteren Gärtner Johann Lepik aus dem gleichen Dorf. Zwei Jahre darauf, am Montag 02. Mai 1803 verlor Andreas nach 39 Jahren Ehe seine Gemahlin Marianna, die sechzigjährig am kaltem Fieber gestorben ist. Sie wurde am 05. Mai auf dem Kirchhof in Deutsch Müllmen beerdigt. Andreas lebte als Witwer im Kreise seiner Kinder und Enkel auf dem Auszug noch weitere 23 Jahre lang. Im Jahre 1807 musste er den Tod seiner erwachsenen Tochter Candida Kitta betrauern, die neben ihren Ehemann Mathäus, vier jugendliche Kinder als Halbwaisen hinterließ. Ebenso blieben dem alten Andreas die in den Jahren 1806-1815 Oberschlesien einbeziehenden Napoleonischen Kriege nicht erspart.
Über das letzte Lebensjahr unseres inzwischen greisen Vorfahren wurde jedoch in den Chroniken der Region berichtet, dass „das Jahr 1824 ein fruchtbares Jahr sei und das Getreide in den Scheuern keinen Platz hätte“ .
Nach neunundzwanzig Jahren als Auszügler, während derer er seinem Sohn sicherlich bei der Bewirtschaftung der Gärtnerstelle behilflich war, starb Andreas Zmarsz³y am Montag, den 19. Januar 1825, in Blaschewitz an Altersschwäche. Er war Vater von acht Kindern, von denen er drei überlebt hatte und Großvater von bis dahin über fünfzig geborenen Enkeln, von denen allerdings einige auch bereits verstorben waren. Laut der Altersangabe wurde der Mann, der sechs deutsche Kaiser, fünf böhmische und preußische Könige, sieben Päpste, alle drei Schlesischen und auch die Napoleonischen Kriege erlebt hatte, 97 Jahre alt geworden. Drei Tage später wurde er in Deutsch Müllmen beerdigt. Als Erben wurden seine fünf erwachsenen Kinder Marina, Jacob, Agatha, Andreas und Susanna genannt.

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