Andreas II. Smarzly (1774-1853)
 
Während sein Vater noch als Untertan des Königs von Böhmen und Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation geboren wurde, ist Andreas II. Smarzly unser erster männlicher Vorfahre, der am Sonntag, den 02. Oktober 1774, um 4 Uhr früh als Preuße auf die Welt kam. Nach alter Sitte brachten ihn seine Taufpaten Johanna, Ehefrau des Gärtners Georg Pisarczyk und die Bäuerin Maria Roskosch kurz darauf in die Pfarrkirche nach Deutsch Müllmen, wo er wie sein Vater über vierzig Jahre zuvor, auf den Namen des Monatsheiligen Andreas, katholisch getauft wurde.
Zwischen seinem zehnten und zwanzigsten Lebensjahr muss er gewiss, wie alle anderen Altersgenossen, einen zweijährigen Gesindedienst bei der Gutsherrschaft in Gläsen abgeleistet haben. Ob er zur Armee eingezogen wurde, ist nicht bekannt. Zu jener Zeit existierte in Preußen noch das sog. Kantonssystem. Die Kantone waren seit 1733 fest zugewiesene Bezirke, in denen die männliche Landbevölkerung im frühen Alter "enrolliert" und ihrem späteren Regiment zugeteilt wurde. Nach der Kommunion wurden die "Enrollierten" vereidigt und zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr wurden die Kantonisten dann zum Dienst herangezogen, der theoretisch lebenslang andauerte. Tatsächlich dienten sie nach der höchstens zweijährigen Ausbildung nur in der Zeit zwischen Aussaat und Ernte und waren ansonsten "Urlauber".
 
Am Donnerstag, den 04. Februar 1796 wurde der zweiundzwanzigjährige „arbeitsame Andreas, Sohn des Gärtners Andreas Zmarzli aus Blazeowitz“ mit der etwas mehr als ein Jahr älteren Hedwig, Tochter des Häuslers Jacob Scholz aus Mochau, vor den Trauzeugen Gregorius Kosßubek und dem Bauer Andreas Schirmeisen, in Deutsch Müllmen getraut.
 
Im gleichen Jahr erkaufte Andreas II. von seinem Vater die Gärtnerstelle Nr. 51 (später Hyp. Nr. 32) in Blaschewitz für 24 Reichstaler. Diese Summe ist wohl festgesetzt worden unter Berücksichtigung des ganzen Auszuges der Eltern und Auszahlung der Geschwister. Jedenfalls ist in den 24 Reichstalern keineswegs der Gesamtwert der Besitzung zu sehen. Vater und Sohn werden die Übergabe des Hofes gewiss nach der damaligen Gewohnheit abgewickelt haben. Andreas I. verkaufte an seinen Sohn Andreas II. sein Gut für einen abgesprochenen Preis, behielt sich aber vor, dass ihm der Sohn einen Teil des Betrages bar auszahlte, die übrige Summe blieb für den Erben auf dem Gut haften. Der neue Besitzer musste dann jährlich eine bestimmte Rate an die Miterben auszahlen. Dar Vater konnte sich nicht nur die Auszahlungssumme vorbehalten, sondern er konnte auch eine bestimmte Menge an Klafter Brennholz, Fleisch, Weizen, Gerste, Graupen oder auch Ackerstücke oder Wiesen oder eine gewisse Aussaat aus Erbsen, Kraut, Rüben oder Leinsamen auf gewünschten Ackerstücken zu seinem Auszuge festsetzten. Naturalienlieferungen spielten bei solchen Überschreibungen die wichtigste Rolle, während die Ausstattung mit barem Geld zurück trat. Übrigens scheinen die 24 Reichstaler zu dieser Zeit der gängige Preis für Robotgärtnerstellen in Blaschewitz gewesen sein, zu dem die Erben das Erbgut von den Vätern erkauft hatten. In der Zeit von 1767 bis 1810 wurde keine Gärtnerstelle in Blaschewitz unter 20 und keine über 36 Reichstalern von den Nachfolgern erkauft.
 
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Tracht der Landbewohner in Südoberschlesien im 19. Jahrhundert.
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Bald wurde das Ehepaar Andreas und Hedwig mit einer großen Zahl von Kindern gesegnet. Doch sollte die Familie auch außergewöhnlich häufig vom Tod heimgesucht werden. Von den elf Kindern von Andreas und Hedwig, starben sieben im Kindesalter an Krankheiten wie Röteln, Stickfluss (Asthma, Brustwassersucht, Bronchitis), Ausfluss (eine eitrige, bakterielle Flüssigkeit, die aus der Lunge kam) oder der im Jahre 1803 grassierenden Pockenepidemie, der im Frühsommer dieses Jahres gleich zwei Kinder von Andreas zum Opfer fielen. Lediglich drei Kinder aus dieser Ehe scheinen das Kindesalter überlebt zu haben. Bei einem Sohn, dem im Jahre 1800 geborenen Johann, lässt sich zwar kein Sterbenseintrag finden, da er jedoch nach dem Tod seiner Mutter siebenundzwanzig Jahre später nicht als Erbe genannt wurde, ist zu vermuten, dass er zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr am Leben war. Sein jüngerer Bruder Joseph verblieb später auf der elterlichen Stelle, während die zwei Schwestern Hedwig und Susanna nach ihrer Eheschließung Blaschewitz verließen.
 
Außer Familienfeiern und Familientragödien unterbrachen das ansonsten eintönige Leben auf dem Lande in regelmäßigen Abständen Wetterkatastrophen und Kriege aber auch kirchliche Feste und staatliche Feierlichkeiten. Wie schon dreizehn Jahre zuvor, verspürte man auch am 11. Dezember 1799 in der Provinz Schlesien erneut einen Erdstoß. Im kommenden Sommer, am 03. Juni 1800, fiel im Umland von Oberglogau Hühner- bzw. Enteneier großer Hagel vom Himmel, der die Ernte vernichtete und das Vieh auf den Weiden erschlug. Am 18. Januar 1801 erfolgten im ganzen preußischen Königreich Dankfeste in Erinnerung an die vor einhundert Jahren geschehene Gründung des preußischen Königtums, nur zwölf Tage später kam im Oberglogauer Land ein fürchterlicher Sturm auf, der viele Gebäude abdeckte und auch sonst viel Schaden anrichtet hatte. Das katastrophale Wetter hinderte Andreas jedoch nicht daran, die für eine Woche später angesetzte Hochzeit seiner jüngsten Schwester Susanna auszurichten.
Am 09. Februar 1801 feierte die Familie die Hochzeit der zwanzigjährigen Susanna mit dem vier Jahre älteren Gärtner Johann Lepik. Im Jahre 1803 musste Andreas II. seine Mutter Marianna, sowie zwei seiner Kinder zum Grabe nach Deutsch Müllmen tragen.
Wegen der fortdauernden Teuerung der Jahre 1804 und 1805 herrschte wieder großes Elend im Lande. Ende Januar 1806 fielen zwar die Getreidepreise, es begann aber ein Krieg mit Frankreich. In Oberglogau marschierten nach Ausbruch des Krieges bayerische Truppen ein, später wurden in der Stadt und Umland auch feindliche Württemberger, Polen, Italiener und Franzosen einquartiert. Die letzten Besatzungstruppen verließen das Oberglogauer Land erst am 20. November 1808. Im Jahre 1810 herrschte unter der Bevölkerung Schlesiens Unruhe wegen der von der Regierung während des Krieges versprochenen und nun nicht gänzlich eingehaltenen Befreiung dieser von den Robotdiensten und Schuldigkeiten an die Gutsherrschaften. Die Unruhen sollten jedoch zunächst ohne größere Auswirkungen für die Bevölkerung ausbleiben. Ein Jahr darauf folgte wieder eine schlechte Ernte mit den bekannten negativen Folgen der Nahrungsmittelknappheit, da es den ganzen Sommer 1811 über in der Oberglogauer Gegend nur zwei Mal geregnet hatte. Währenddessen stand wieder ein Krieg gegen Frankreich bevor und die Dürre hielt an, was zur großen Wassernot führte. Der Krieg hatte begonnen, und durch unsere Dörfer marschierten feindliche französische und verbündete russische, kosakische, baschkierische und kalmückische Regimenter durch. Die Getreidepreise stiegen ins unermessliche, überall hörte man großen Jammer über die Teuerung. Um die Not noch zu vergrößern, trat 1813 die Hotzenplotz noch aus ihren Ufern und brachte den Nachbardörfern von Blaschewitz großen Schaden, in Oberglogau wurden zwei Brücken vernichtet. 
Am 24. Mai 1813 wurden alle waffenfähigen Männer der Pfarrei Deutsch Müllmen zu einer begeisternden Ansprache des Pfarrers Joseph Valentin Müller (*1771+1837) für die Ergreifung der Waffen und Befreiung Preußens von den Franzosen zusammengerufen. Viele Freiwillige aus der Umgebung eilten zu den Fahnen. Es ist durchaus vorstellbar, dass auch der neununddreißigjährige Andreas Smarzly mit in den Krieg gegen Napoleon gezogen ist. Dafür spricht zumindest der Umstand, dass im Jahre 1813 plötzlich die Serie von fast jährlich stattfindenden Geburten im Hause Smarzly aufhörte, um 1829 erneut einzusetzen.
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"Die Freiwilligen !" - Freiwillige aus allen Schichten des Königreichs sind 1813 aufgeboten den Feind zu schlagen
 (Adolph von Menzel, 1836, aus S. u. W. Jacobeit "Illustrierte Alltagsgeschichte des deutschen Volkes, Band II")
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Bald ging der Krieg siegreich zu Ende und in den Pfarrkirchen wurden Ende Oktober 1813 Dankfeste anlässlich des Sieges der eigenen Soldaten in der Schlacht bei Leipzig gefeiert. Es folgten Siegesfeier und Trauerfeierlichkeiten zur Ehren der im Krieg gefallenen Ehemänner und Söhne. 1816 kam es während der Erntezeit wieder zur großen Teuerung. Der Sommer 1822 und der Winter 1823 wurden von großer Trockenheit überschattet.

Inzwischen ist das Dorf Blaschewitz im Jahre 1814 vom Freiherrn Joseph Adam von Gruttschreiber (1769-1845), der wohl in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein muss, verkauft worden. 1826 verlor der Baron, der 1814-19 Landrat des Kreises Neustadt OS war, sogar seinen Adelstitel, nachdem er sich der Veruntreuung von Kassengeldern schuldig gemacht hatte. Erwerber von Blaschewitz war im Jahre 1818 der Oberamtmann Joseph Wullmann. Da Gläsen zur gleichen Zeit an Herrn Anton Forny verkauft wurde, schied Blaschewitz damit nach Jahrhunderte langer Zugehörigkeit zur Herrschaft Gläsen, aus dieser aus.
 
Knapp drei Jahre nach dem Tod seines greisen Vaters verlor Andres Zmars³y am Montag, den 26. November 1827, seine Ehefrau Hedwig, mit der er über 31 Jahre lang verheiratet war. Sie wurde einen Tag nach ihrem Tod in Deutsch Müllmen beigesetzt. Als Erben von Hedwig verblieben der Ehemann sowie ihre drei lebenden Kinder Joseph (22), Hedwig (19) und Susanna (14).
Andreas II. lebte mit seinen drei beinah erwachsenen Kindern jedoch nicht lange ohne eine Ehefrau. Bereits am 28. April 1828 ehelichte der vierundfünfzigjährige Gärtner in der Pfarrkirche zu Oberglogau die vierundzwanzig Jahre jüngere Witwe Marianna Placzek geb. Barton aus Repsch. Als Trauzeugen nahm Andreas seinen Schwager Andreas Koschik und seinen Neffen Andreas Lepik nach Oberglogau mit.
Auch diese Ehe wurde noch reich an Nachkommen gesegnet, doch auch hier schlug das Schicksal mit voller Wucht zu. In den Jahren 1828 bis 1841 wurden Andreas und seiner zweiten Ehefrau acht Kinder geboren. Nur von der Tochter Johanna (geboren 1836) ist bekannt, dass sie das Erwachsenenalter erreichte und 1867 auch eine eigene Familie gegründet hatte.
Zuvor hatte Andreas aber bereits Hedwig, seine fünfundzwanzigjährige Tochter aus erster Ehe, am 21. Januar 1833 mit dem fünf Jahre älteren Häusler Fabian Globisch aus Dobrau verheiratet. Hedwig und Fabian Globisch ließen noch im Dezember 1835 in Deutsch Müllmen ihren Sohn Franz taufen, später erschienen sie nicht mehr in Blaschewitz. Vier Monate nach seiner Schwester Hedwig heiratete auch Andreas einziger Sohn Joseph, der späterer Erbe der Gärtnerstelle in Blaschewitz. Und sieben Jahre später, am 11. April 1840, ehelichte endlich auch Susanna (geboren 1813), die jüngste Tochter aus erster Ehe von Andreas, den Einlieger Mathäus Swientek aus Blaschewitz. Susanna hatte bereits fünf Jahre zuvor in Blaschewitz unehelich ein totes Mädchen zur Welt gebracht. Sie zog mit ihrem Mann bald nach der Hochzeit fort aus dem Heimatort.

Panorama von Oberglogau um 1837 (Blick von Westen)
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Am Dienstag, den 02 Februar 1841, starb die vierzigjährige Marianna Smarzly geb. Barton bei der Geburt ihres achten Kindes, der gleichnamigen Tochter Marianna. Andreas wurde zum zweiten Mal Witwer. Fünf Kinder aus der Ehe von Andreas und Marianna starben bereits im Kindesalter, alleine drei an Ausfluss. Die Töchter Eva (geboren 1835) und Marianna (geboren 1841) wurden neben der bereits genannten Schwester Johanna zwar noch als Erben ihrer Mutter aufgeführt, zumindest die gerade geborene Marianna überlebte ihre Mutter jedoch nicht lange. Den Säugling brachte Andreas nach Weingasse, wo es vielleicht einer Verwandten seiner verstorbenen Ehefrau möglich war, das Neugeborene zu stillen. Zwei Monate nach dem Tod ihrer gleichnamigen Mutter starb jedoch auch die kleine Marianna in Weingasse. 

Inzwischen ist Andreas II. Smarzly nach neununddreißigjährigem Arbeitsleben als Gärtner in den Auszug umgezogen, nachdem er im Jahre 1835 die Bewirtschaftung der Gärtnerstelle seinem Sohn Joseph II. überlassen hatte. Da Andreas ab nun als "Auszügler" und häufig auch als "Häusler" bezeichnet wird, bestand der Auszug der Familie Smarzly in Blaschewitz zu jener Zeit offensichtlich bereits aus einem von dem eigentlichen Haupthaus der Gärtnerstelle getrenntem Häuschen, in dem die ältere Generation der Familie lebte. Solcher „Luxus“ ist deswegen erwähnenswert, weil in jener Zeit hauptsächlich die Bauernfamilien sich ein extra Haus für die ältere Generation leisten konnten, der Auszug der Gärtner war meistens noch ein getrenntes Zimmer in Gärtnerhaus.
 
Das Witwerdasein sowie die alleinige Erziehung der kleinen Töchter Eva und Johanna sagte dem bereits siebenundsechzigjährigem Auszügler jedoch nicht lange Zeit zu. Nur ein halbes Jahr nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau Marianna, nahm er am Montag, den 08. August 1841, in der Kirche von Kujau die dreiundvierzigjährige Anastasya Pelka aus Golschowitz zu Frau. Diese Ehe währte immerhin noch zwölf Jahre. Andreas und Anastasya erlebten sogar noch gemeinsam die Befreiung unserer Familie aus der Feudalherrschaft im Jahre 1853.
Zwei Monate später starb der Häuslerauszügler Andreas Zmarz³y am Mittwoch, den 20. April 1853, achtundsiebzigjährig an Altersschwäche. Da Blaschewitz seit dem Jahr 1853 nicht mehr zur Pfarrei Deutsch Müllmen, sondern zur neugegründeten Pfarrei Pauliner Wiese in Mochau gehörte, sollte Andreas nicht auf dem Friedhof beerdigt wedren, wo die sterblichen Überreste seiner Vorfahren, seiner zwei Ehefrauen sowie seiner vielen Kinder ruhten. Sein Leichnam wurde am 22. April 1853, als einer der ersten auf dem neuen Friedhof in Pauliner Wiese Mochau zur Ruhe gebettet.
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Katholische Kirche in Mochau Pauliner-Wiese
(von 1388 bis 1810 Kloster der Pauliner). 
Von 1853 bis 1872/6 gehörte unsere Familie zu dieser Pfarrgemeinde.
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Seine dritte Ehefrau Anastasya Smarzly (im Sterbenseintrag genannt „Euphrosine“), überlebte ihn um siebzehn Jahre und starb zweiundsiebzigjährig in Blaschewitz am Freitag, den 04. März 1870, als Einliegerwitwe an Altersschwäche.
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