Bartholomäus Smarzly (1673-1743)

Der Ahnherr unserer Familie und erster bekannter Vertreter unseres Familiennamens in Blaschewitz ist Bartholomäus Smarzly. Laut Altersangabe beim Eintrag seines Todes in den Kirchenbüchern, fiel seine Geburt etwa in das Jahr 1673. Die älteste schriftliche Erwähnung seines Namens erfolgte beim Eintrag der Taufe seiner Tochter am 20. Dezember 1715, in den Kirchenbüchern von Deutsch Müllmen: „Baptist est Eva, ex Patre Bartholomao Zmarly et Anna Matre, ex Blazejowitz, Patrini orant: Jacobus Spaich et Marianna Gurecko“.
 
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Wappen von Blaschewitz auf einem Siegel des Scholzen des Dorfes.
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Bartholomäus war einer von fünfzehn Gärtnern in Blaschewitz, einem Dorf der Herrschaft Gläsen, welches zu Zeit seiner Geburt dem Grafen Johann Bernard von Herberstein (1652-1688) gehörte. Im Jahre 1688 fiel die Herrschaft Gläsen mitsamt Blaschewitz den Grafen Henckel von Donnersmarck zu, die über die nächsten sechs Jahrzehnte in deren Besitz blieben.
 
Das Haus und der Hof von Bartholomäus bildeten in jener Zeit eine mittelgroße Gärtnerstelle. Unserer Stammvater, wie auch seine Nachfahren in den folgenden fünf Generationen, bestritt seinen Lebensunterhalt mit der Bearbeitung der eigenen kleinen Äcker, aber vor allem durch Arbeit auf Feldern und Gütern derer Henckel von Donnersmarck auf Gläsen. Die Familie lebte auf einer sogenannten Gärtnerstelle, die einst ein Vorfahre der Familie vom Gutsherrn des Dorfes erhielt, dafür jährlich zur Zinsung einer bestimmten Summe Geldes, vielleicht auch von Hühnern und Eiern verpflichtet wurde. Außerdem lasteten auf der Gärtnerstelle Dienste, welche die Familie gegenüber dem Gutsherren leisten musste. Dazu gehörten vor allem das Mähen und Ausdreschen von Getreide, aber auch das Jäten der herrschaftlichen Gärten, Ausbrechen, Jäten und Zurichten von Flachs, das Raufen, Dreschen und Brechen von Hanf, das Setzen und Hacken von Kohl, Spinnen von Garn oder auch das Tragen der Küchenspeisen von den Gärten zu den verschiedenen Vorwerken oder zum Schloss in Gläsen. Aus den Arbeiten und Leistungen gegenüber der Herrschaft erhielt die Gärtnerfamilie wiederum einen Anteil am ausgedroschenen Getreide, sowie festgelegten Lohn für die verschiedenen Dienste, verschiedene Nutzungen aus der herrschaftlichen Wirtschaft oder auch Kost, Brot und Bier.
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Getreidemaht 

Heumachen, vom Schneiden bis zum Einfahren.

Dreschen, Säubern, Einsacken dund Wegbringen des Getreites zum Gutshof.

"Feierabend" - Dorfbewohner nach getanener Tagesarbeit bei sommerlicher Rast im Gespräch mit Hausgenossen und Nachbarn . (M. Scheits, 1676. Bilder aus S. u. W. Jacobeit "Illustrierte Alltagsgeschichte des deutschen Volkes, Band I")

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Neben den Leistungen gegenüber der Herrschaft in Gläsen hatte unser Vorfahre in jener Zeit noch weitere Ausgaben zu leisten, worüber uns das „Zülzer Archiprespyteriatsbuch vom Jahre 1674 und 1719“ informiert. An den Pfarrer in Deutsch Müllmen beispielsweise zahlte Bartholomäus jeweils am Martini den Tischgroschen, also zwei Kreuzer, und bei Neujahrsgang des Pfarrers jeweils einen Silbergroschen. Anlässlich verschiedener Feierlichkeiten innerhalb der Familie kamen auf Bartholomäus weitere Kosten zu, wie drei Silbergroschen bei der Taufe seiner Kinder, zwei Silbergroschen bei der Einsegnung der Wöchnerinnen, sechs Silbergroschen beim Aufgebot, einen Taler oder einen Gulden bei einer Hochzeit, sechs Silbergroschen bei der Einsegnung der Braut und sechs bis acht Silbergroschen für Beerdigungen, die jeweils der Pfarrer erhielt. An den Lehrer in Deutsch Müllmen, der dort gleichzeitig Organist als auch Kirchenbuchschreiber war, musste Bartholomäus zusätzlich bei den Beerdigungen seiner Ehefrauen bzw. erwachsener Familienangehörigen jeweils zwei Böhmen, bei den Beerdigungen sowie auch Hochzeiten seiner Kinder hingegen einen Böhmen zahlen. Das Einschreiben eines Kindes zur Taufe kostete unseren Ahnen einen Groschen und die Einleitung der Wöchnerin einen Kreuzer. Bei der Beerdigung seiner Familienangehörigen zahlte er ferner zwei Kreuzer an die Kirche in Deutsch Müllmen für das Trauergeläut.

Laut Erhebung des sog. „Karolinischen Katasters“ in Blaschewitz vom 30. Mai 1723, säte der Gärtner Barthel Schmarßel zu diesem Zeitpunkt 1 ¾ Scheffel Getreide auf seinem Ackerland aus, was auf eine Ackerlandgröße von rund 3 Morgen (7.650 qm²) schließen lässt. Gleich große Gärtnerstellen hatten sieben weitere Robotgärtner in Blaschewitz, drei Robotgärtner des Dorfes bearbeiteten etwas größere Stellen von 2, 3 und 4 ½ Scheffel Aussaat und drei bearbeiteten kleinere Stellen mit nur 1, 1 ¼ und 1 ½ Scheffel Aussaat.
Die Größe der Gärtnerstelle des Bartholomäus Smarzly, bzw. die auf der Gärtnerstelle lastenden Dienste und Verpflichtungen gegenüber der Herrschaft müssen so umfangreich gewesen sein, dass Bartholomäus es für erforderlich gehalten haben muss eine Aushilfe (Magd) einzustellen, worauf ein Kirchenbucheintrag der unehelicher Niederkunft einer Marianna Kystkin „Einwohnerin beim Bartholomäum Zmarzly vom 17. März 1725 hinweist.
 
Bartholomäus Smarzly war mindestens drei Mal verheiratet. Als seine erste Ehefrau kann unsere Stammmutter Anna nachgewiesen werden, welche jedoch bereits vor 1729 verstorben sein muss, denn zu dieser Zeit war Bartholomäus bereits mit Rosina geb. Scholz verheiratet. Die zweite Gattin starb aber ebenfalls schon am 06. März 1731, gerade mal dreißigjährig. Am Montag, den 16. Juli 1731, ehelichte der knapp sechzigjährige Bartholomaum Smarzly die ehrbare Jungfrau Magdalena, Tochter des verstorbenen Johann Szczesny aus Dirschelwitz.
Folgende vier Kinder können eindeutig als die des Bartholomäus nachgewiesen werden:
Joseph (*um 1700/10), Eva (*20.12.1715) und Bartholomäus II. (*13.08.1722) als Kinder mit seiner ersten Ehefrau Anna, sowie die am 22. Februar 1729 geborene Anna, Tochter des Bartholomäus und seiner zweiten Ehefrau Rosina. Die Töchter Eva und Anna heirateten später nach Blaschewitz bzw. in das benachbarte Mochau. Eva ehelichte am 05. Mai 1743 den Johann Kindel aus Mochau und Anna am 13. November 1759 den Witwer Andreas Kroll aus Blaschewitz. Höchstwahrscheinlich ist die Jungfrau Marianna Smarzly, die am 27. November 1755 sich mit dem Robotgärtner Walentin Jobczik, einem Nachbar von Bartholomäus Smarzly, vermählte, ebenfalls eine vor 1714 getaufte Tochter des Bartholomäus und der Anna Smarzly.
 
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Das Oberglogauer Land um das Jahr 1736
(Principatus Silesiae Oppoliensis exactissima Tabula geographica sistens Circulos Oppoliensem Ober-Glogau Gros Strehliz, Cosel, Tost, Rosenberg, Falckenberg & Lubleniz ; Cum Spec. S. Caes. Rgue. Mtis. Privilegio / a I. W. Wieland, Locumtenente Caesa, Wieland, Johann W.  Homann, Norimbergae//Nürnberg : Homanniani Heredes, 1736)
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In seiner Jugend war unser Stammvater noch Zeuge der bereits seit fast zwei Jahrhunderten das mittlere Europa und in erster Linie die Habsburgischen Länder Österreich, Böhmen und Schlesien bedrohenden Türkengefahr, welche mit dem Sieg der christlichen Heere des Deutschen Reiches und Polens bei Wien am 12. September 1683 endgültig beseitigt wurde. Im hohen Alter erlebte Bartholomäus mit seiner Familie hingegen noch den Einmarsch der preußischen Heere unter König Friedrich dem Großen in Schlesien, den ersten Schlesischen Krieg (1740-1742) und den Übergang Schlesiens innerhalb des Deutschen Reiches aus dem Königreich Böhmen zum Königreich Preußen.
 
Bartholomaus Zmarsli starb, nachdem er von dem Hilfsprediger Valentin Klimaßek die Sterbenssakramente erhalten hatte, siebzigjährig in Blaschewitz und wurde am Montag, den 04. März 1743, auf dem Pfarrfriedhof in Deutsch Müllmen beigesetzt.
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