Johann II. Smarzly (1875-1958)
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Johann Smarzli wurde als drittes Kind von Johann I. Smarzly und seiner Ehefrau Marianna geb. Walla, am Freitag 07. Mai 1875, in Syßlau geboren und in die Pfarrkirche nach Kujau zur Taufe gebracht. Am 12. Mai 1875 meldete der Vater Johann Smarsly die Geburt seines ältesten Sohnes dem gerade erst eingerichteten Standesamt in Kujau. Der Eintrag dieser Geburt zählt zu den ersten in den soeben errichteten preußischen Standesämtern. Zu jener Zeit war der Vater von Johann II. noch Pächter einer Gastwirtschaft in dem kleinen Ort Syßlau, später wohnte die Familie einige Zeit in Neuhof, wenige Kilometer nördlich von Oberglogau. Als der kleine Johann vier Jahre alt war, zog die Familie in das nahe gelegene Reitersdorf, wo die Eltern eine Häuslerstelle erworben hatten.
 
Über die Kindheit und die Jugendjahre von Johann ist kaum etwas bekannt. Es ist anzunehmen, dass er um 1882/89 die dreiklassige Schule in Körnitz besuchte, während er zum Religionsunterricht nach Kerpen zu gehen hatte. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1898, war der dreiundzwanzigjährige in der Pflicht sich um das Wohlergehen seiner Mutter, der zwei noch im Elternhaus lebenden Schwestern Franziska und Lucia und des Bruders Theodor zu kümmern. Den Lebensunterhalt verdienten alle Familienmitglieder bei der Arbeit auf Äckern der Körnitzer oder Kerpener Bauern oder in den Dominien der Nachbardörfer. Johann verdiente sich zusätzlich als Maurer und arbeitete auch bei den Regulierungsarbeiten des bei Kerpen fließenden Hotzenplotzflusses.
Am 19. Februar 1904 erwarb die Mutter Marianna Smarzly eine weitere kleine Ackerparzelle von 150 qm² Größe in der Gemarkung Kerpen, welche bald vom königlichen Amtsgericht Oberglogau auf sie übertragen wurde.
 
Aus dem „Oberglogauer Stadtblatt“ vom 15. Mai 1908 erfahren wir dann eine weniger ruhmlose Nachricht über unseren Vorfahren. In der Reihe der vom Schöffengericht im Oberglogau, unter dem Vorsitz des Amtsrichters König am 13. Mai 1908 Verurteilten, taucht der “Arbeiter Johann Smarsla aus Reitersdorf“ auf, welcher wegen Beleidigung zu zehn Mark Strafe oder zwei Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Den genauen Vorfall erfahren wir leider nicht, auch nicht, ob Johann die Strafe bezahlte oder lieber die Haft angetreten hat. Doch bringt diese Geschichte einen interessanten Kontrast zu den späteren Erzählungen seiner Kinder und Enkel über Johann als einem immer sehr ruhigen, zurückhaltenden, frohgemuteten, pflichtbewussten und absolut gottesfürchtigen Vater bzw. Großvater.
 
Weitere Nachrichten über unsere Familie gibt es erst aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Der bereits vierzigjährige und immer noch unverheiratete Johann wurde im Juni 1915 in die kaiserliche Armee einberufen. Seit zehn Monaten tobte bereits der Erste Weltkrieg (1914-1918). Bevor Johann seine Heimat verließ, kehrte er noch Mal in der Gaststätte „Zum Deutschem Bund“ in Reitersdorf ein, um sich von seinen Freunden und Bekannten zu verabschieden. Mit dem Bergarbeiter Josef Moritz aus Körnitz traf er dabei eine bedeutungsvolle Abmachung. Sobald der Krieg zu Ende gehen und unser Johann gesund Heim kehren würde, sollte er eine der fünf Töchter des Josef Moritz heiraten dürfen.
 
Am 26. Juni 1915 trat Johann Smarzly seinen Dienst als Landsturmmann in der 6. Kompanie des Landwehr-Infanterie-Regiments 10 an. Zugeteilt der 21. Landwehr-Infanterie-Brigade, die ab Juli 1915 der 14. Landwehr-Division unterstellt war, sollte Johanns Regiment den Großteil des Krieges im Osten gegen Russland eingesetzt werden. So nahm unser Vorfahre an den Stellungskämpfen bei Racionz, bei der Durchbruchschlacht bei Przansnysz, bei den Kämpfen und der Belagerung von Modlin (Nowo Gregoriewsk), in den Schlachten von Njemen und von Wilna, sowie bei den Verfolgungskämpfen durch Weißruthenien teil. Aus Erzählungen geht hervor, dass Johann seines Alters wegen nicht mehr als Soldat an der vordersten Front eingesetzt wurde, sondern bei den Nachschubkolonnen mit Pferdefuhrwerken für die Versorgung seines Regiments mit Waffen, Nahrung und Medikamenten sorgte. Im Juni 1918, nachdem Russland kapituliert hatte, wurde das Landwehr-Infanterie-Regiment 10 der 55. Landwehr-Infanterie-Brigade zugeteilt und der 301. Infanterie-Division unterstellt. Einsatz des Regiments von Johann war jetzt die Westfront, nämlich die Vogesen in Frankreich in der Gegend von Senones. Hier wurde Johann verwundet oder erkrankte an der in der Gegend unter den Soldaten grassierende Grippenepidemie. Am 03. Oktober 1918 musste er im Festungslazarett in Straßburg/Elsass aufgenommen werden, wo er die Zeit bis zum Ende des Krieges am 11. November 1918 verbrachte.
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Deutscher Landsturmmänner während des Ersten Weltkrieges

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Als Johann Smarzly nach Reitersdorf heimgekehrt ist, musste er feststellen, dass in seiner Heimat der Frieden noch lange nicht eingekehrt war. Nachdem der neugegründete Staat Polen an das besiegte Deutschland die Forderung zur Abtretung von Oberschlesien gestellt hatte, kam es in großen Teilen der oberschlesischen Bevölkerung zu Unruhen. Die Siegermächte des Ersten Weltkrieges sahen sich gezwungen die Oberschlesier durch eine Abstimmung entscheiden zu lassen, in welchem Staat sie leben wollten. Entscheidend für die Abstimmung sollten die Teile der oberschlesischen Bevölkerung werden, die als Nachfahren der Slawenstämme und deutschen Siedler sowohl als ein Teil des deutschen Volkes galten, mit dem sie eine 700 Jahre lange gemeinsame Geschichte verband, als auch als ein Teil des polnischen Volkes angesehen werden konnte, mit dem sie die Gemeinsamkeit einer slawischen Sprache teilten. In einem beinahe dreijährigem Abstimmungskampf wurde dieser Bevölkerungsteil von der deutschen wie der polnischen Seite mit allen Mitteln bedrängt sich für eine Seite zu entscheiden und damit ihr an Bodenschätzen reiches und industriell vorbildlich erschlossenes Land dem einem oder auch dem anderem Staat zusprechen.
 
Noch bitterer für Johann muss aber in jener Zeit gewiss die Erkenntnis gewesen sein, dass nach seiner Heimkehr die Familie Smarzly in Reitersdorf praktisch nicht mehr existierte. Nachdem am 09. Juli 1917 auch die jüngste Schwester Lucia geheiratet hatte und zu ihren Ehemann nach Komornik gezogen ist, war nur noch die alte und an den ersten Symptomen der Alzheimerkrankheit leidende Mutter Marianna im Elternhaus verblieben. Erschwerend kam noch hinzu, dass bei Johanns Rückkehr sein Elternhaus geplündert war, und zwar nicht in Folge der Kriegswirren, sondern durch Johanns Geschwister und deren Familien. Laut Erzählungen sollen die Verwandten im Haus alles mitgenommen haben, was nicht niet- und nagelfest war. Lediglich ein Tisch, ein paar Stühle, einige Federbettdecken und eine kranken Kuh mit einem abgemagertem Kalb im Stall waren geblieben. Um die genannten Federbettdecken soll es später zwischen Johann und den Kindern seiner Schwester Hedwig Schneider noch zu einem Streit gekommen sein. Ebenfalls erschien in jener schweren Zeit auch der bereits vor dem Krieg nach Berlin gezogene Bruder Theodor plötzlich im Elternhaus, um seine Aussteuer zu verlangen. Johann konnte ihm in dieser Zeit nicht mehr bieten, als das Kalb im Stahl, welches der Fleischer schlachtete und in einem Koffer gepackt nach Berlin mitgenommen hatte.
 
In dieser schweren Zeit kam Johann die alte Abmachung mit Josef Moritz zu Gute, die beide Männer vor dem Abrücken Johanns an die Front des Ersten Weltkrieges, damals eher noch spaßeshalber trafen. Er durfte nun eine der Töchter des Bergarbeiters aus Körnitz kennen lernen und um ihre Hand anhalten. Schon am Freitag, den 02. Juni 1919, fand in der Pfarrkirche zu Körnitz die Trauung des vierundvierzigjährigen Johann Zmarz³y mit der einunddreißigjährigen Hedwig Moritz statt. Die Trauung, die Kaplan Melz verrichtet hatte, fand im Beisein der Trauzeugen Josef Pelka, eines Maurers und Nachbarn von Johann, sowie Johanns Neffen Paul Schneider, statt. Einen Tag zuvor, am 01. Juni 1919, wurde die Trauung von Johann Smarzly mit Hedwig Moritz bereits vor dem Standesbeamten in Stiebendorf vollzogen.
Hedwig war das zweite Kind des in den Gruben von Ruda/OS arbeitenden Bergmanns Joseph Moritz aus Dobrau und seiner Körnitzer Ehefrau Monika Sobek. Ihre Familie hatte kurz zuvor eine Häuslerstelle am Rande von Körnitz erworben. Der Bruder von Hedwig, Viktor Moritz, war fünfundzwanzigjährig im Krieg in Frankreich gefallen. Die Schwester Maria durch einen schweren Arbeitsunfall so schwer verletzt worden, dass sie lebenslang an den Beinen behindert blieb. Hedwig wird als eine zähe, arbeitsame und sparsame Frau beschrieben, die unerschrocken vor den Mitmenschen und lediglich obrigkeits- und gottesfürchtig, die Familie stets mit wohlwollender Zustimmung ihres zurückhaltenden, ja schüchternen und tiefgläubigen Ehemannes, lenkte. Ihre jüngere Schwester Albina heiratete zwei Jahre später ebenfalls einen Häusler Johann Smarzly. Bei dieser Familie Smarzly handelt es sich aber um einen, mit dem unserem nicht enger verwandten Familienzweig aus dem Dorf Dirschelwitz (Linie Neuhof).
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Silberhochzeit von Johann und Hedwig Smarzly  am 02. Juni 1944 in Reitersdorf.
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Um Ordnung in die zerrütteten Familienangelegenheiten zu bringen, schloss Johann II. Smarzly nur vier Tage nach seiner Vermählung, am 06. Juni 1919, einen Vertrag mit seinen Geschwistern und der Mutter Marianna ab. Nach diesem Vertrag bekamen er und seine Ehefrau Hedwig die väterliche Häuslerstelle mit dem dazugehörigen Land im Umfang von etwas mehr als zwei Hektar überschrieben, die Geschwister aber sollten von Johann ausbezahlt werden und die Mutter Marianna erhielt ein lebenslanges Wohnrecht im Haus zugesichert. Am gleichen Tag beantragte der Landwirt Johann Smarsly zur Hälfte mit seiner Ehefrau die Übertragung der väterlichen Häuslerstelle auf sich und Hedwig, was vom Amtsgericht Oberglogau am 11. Oktober 1919 auch im Grundbuch von Körnitz veranlasst, und am 13. März 1920 vom Landeshauptmann in Breslau bestätigt wurde. Im Juli 1921 konnte Johann durch seinen Anwalt Dr. Georg Marx, 900 Mark an seinen Bruder Theodor nach Berlin überweisen. Im Dezember 1921 erhielt der Ehemann seiner ein Jahr zuvor verstorbenen Schwester Franziska Kipka 1.500 Mark, und am 19. Januar 1922 quittierte auch die Schwester Lucia Saga den Erhalt von 1.500 Mark.
Bald erhallten auch wieder Kinderstimmen im Haus der Familie Smarzly, nachdem im Mai 1920 der gesunde Knabe Anton auf die Welt kam. Zwei Jahre später folgte ihm Brüderchen Franz und 1924 das Schwesterchen Anna.
 
Während sich die Verhältnisse unserer Familie langsam konsolidieren, befand sich Oberschlesien auf dem Höhepunkt der Anarchie und der Unruhen des Abstimmungskampfes. Bereits in der Nacht vom 01. auf den 02. März 1919, gegen 3 Uhr nachts, wurde auf der Chaussee nach Komornik, neben dem Cieciorschen Gasthaus in Reitersdorf, der dreiundzwanzigjährige Stellmachergeselle Alfons Bartholomäus Smarzly (Linie Weingasse/Hinterdorf) erschossen. Am 18. Januar 1921 fiel dann der pro-deutsch gesinnte Nachbar und einstiger Trauzeuge von Johann Smarzly, Josef Pelka, einem politischen Mord zum Opfer. Um die gleiche Zeit erscheinen in Reitersdorf auch mehrere bewaffnete Männer, welche versuchten die ansässige Bevölkerung mit Drohungen und Versprechungen für die Abgabe ihrer Stimmen für Polen einzuschüchtern. Als die Männer jedoch merken, dass die Stimmung unter der hiesigen Bevölkerung pro-deutsch war, fingen sie an zu plündern und die Dorfbewohner zu provozieren. Mehrere dieser bewaffneten Männer drangen auch auf den Hof von Johann Smarzly und machten sich an die Deichsel eines Pfluges ran. Als der von seiner Frau herbeigerufener Johann Smarzly auftauchte und mit einer Mistgabel sich den Unruhestiftern entgegen stellte, verließen diese schleunigst die Gegend.
Am Sonntag, den 20. März 1921, fand die Abstimmung statt, in der sich 60 % der Oberschlesier für den Verbleib bei Deutschland und 40 % für den Anschluss an Polen ausgesprochen hatten. In der Gemeinde Körnitz, zu der Reitersdorf seit Anfang des 20. Jahrhunderts eingemeindet war, wollten 75,4 % der Bewohner weiterhin in Deutschland leben, 24,6 % optierten für Polen. Oberschlesien wurde letztlich geteilt, unsere Heimat verblieb in Deutschland.
Neun Tage nach der historischen Abstimmung, starb am Dienstag nach Ostern, den 29. März 1921, Johanns Mutter Marianna Smarzly im Alter von siebenundsiebzig Jahren. Die letzten Jahre ihres Lebens muss sie wohl an der Alzheimer-Erkrankung gelitten haben. Einer Erzählung zufolge soll im Sommer 1920 die ganze Familie in große Aufregung versetzt worden sein, als die auf ihren Enkel Anton aufpassende Großmutter Marianna, samt Säugling und Kinderwagen verschwand. Eine bis in die Nacht andauernde Suche ergab dann, dass die alte Frau bei einem Spaziergang an die Hotzenplotz den Heimweg nicht wiedergefunden hatte. Die Familie, die in dieser unruhigen Zeit das schlimmste befürchten musste, kam mit dem Schrecken davon.
 
Nach der Entscheidung der Oberschlesier für Deutschland mussten viele Landsleute, die sich zu energisch für die polnische Seite eingesetzt hatten, um ihr Wohlergehen fürchten. So sahen sich auch die Nachbarn von Johann und Hedwig Smarzly, die Häuslereheleute Paul und Maria Ciecior, gezwungen, ihren Hof über Nacht zu verlassen. Dieser Besitz sollte nun versteigert werden. Johann Smarzly, dessen Grundstück auf dieser Seite mit der Hauswand endete, erkannte eine günstige Möglichkeit, durch den Erwerb eines Teils des Cieciorschen Grundstücks, sein Anwesen zu erweitern. Gleiches Ansinnen hegte jedoch auch der Nachbar von der gegenüberliegenden Straßenseite, August Walczyk. Bei der Versteigehrung am 25. April 1921 kam es dann zu einem erbitterten Überbietungskampf zwischen beiden Nachbarn, mit dem Ergebnis, dass Johann Smarzly den Zuschlag für das erkämpfte Gelände von über 3.600 qm², zu einem weit überhöhten Preis von 7.216 Mark bekam. Lange Zeit gab es danach Missstimmung zwischen den Familien Walczyk und Smarzly, erst nach dem zweitem Weltkrieg versöhnte man sich wieder. Bedenkt man, dass das durchschnittliche Jahreseinkommen unserer Familie in dieser Zeit sicherlich unter eintausend Reichsmark gelegen haben wird, so ist der Ärger von Johann und Hedwig über den Mitbieter nachvollziehbar. Um so ärgerlicher war für Johann, dass sich das Verfahren bis zur Übertragung des Grundstücks in sein Eigentum noch vier Jahre lang hingezogen hatte. Erst aufgrund eines Urteils des Amtsgericht Oberglogau vom 25. Oktober 1923, erfolgte am 01. Mai 1925 die Übertragung. Zuvor musste aber noch dem Einspruch der Eheleute Smarzly gegen einen fehlerhaften Grunderwerbsteuerbescheid, mit Bescheid des Kreisausschusses in Neustadt vom 10. Oktober 1925, abgeholfen werden. Auf dem neuerworbenem Grundstück wurde bald eine Küche und ein Badezimmer angebaut und eine Durchfahrt zum hinterem Teil des Grundstücks (hinter der Scheune), sowie ein Garten mit Obstbäumen angelegt.   
Erwähnenswert ist hierbei, dass Johann Smarzly bei den Auseinandersetzungen mit seinen Geschwistern und auch in der Versteigerungsstreitigkeit, den bekannten Oberglogauer „Staranwalt“ Dr. Georg Marx mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt hatte. Dr. Marx wurde bekannt, als er von Oberglogau aus, als einer der Ersten in Oberschlesien, erfolgreich den Abwehrkampf gegen die polnischen Ansprüche auf die Provinz organisierte. 
 
Im Jahre 1926 erwarb Johann Smarzly von den Eheleuten Anna und Paul Schinke, für einhundert Reichsmark ein weiteres Ackerstück in Körnitz, in Größe von 491 qm². Ende 1927 vergrößerte unser Vorfahre sein Anwesen nochmals durch den Kauf eines 5.226 qm² großen Ackerstückes vom Rittergut Dobrau, welches jedoch erst am 26. Januar 1931 in den Grundbüchern auf ihn übertragen wurde.
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Johann und Hedwig bearbeiteten ihre Landwirtschaft noch wie ihre Vorfahren Jahrhunderte zuvor. Doch spätestens mit dem Erwerb einer mechanischen Dreschmaschine in den 1930er Jahren, hielt auch bei unserer Familie der Fortschritt Einzug.
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Von der kleinen Landwirtschaft lebten Johann und Hedwig Smarzly nicht im Überfluss, aber nach mündlichen Überlieferungen sehr zufrieden. Die Hoffnung auf einen ruhigen Lebensabend zerstörte jedoch jäh der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939-1945). Die beiden Söhne Anton und Franz wurden zur Wehrmacht eingezogen und alle bisherigen Lebenspläne wurden über den Haufen geworfen. Zu Weihnachten des Jahres 1943 versammelten sich alle Familienmitglieder, die Eltern Johann und Hedwig, sowie die schon erwachsenen Kinder Anton, Franz und Anna, zum letzten Mal gemeinsam in Reitersdorf. Dabei sollen die Männer das Treffen so rauschend gefeiert haben, dass der lebensfrohe Franz, dessen Heimatfront zu Ende ging, am nächsten Tag vom Vater und Bruder auf Schlitten durch schneeverwehte Straßen zum Oberglogauer Bahnhof gezogen werden musste, damit er seinen Zug an die Front nicht verpasste.
Nach dem Ende des Krieges gerieten die Söhne in russische Kriegsgefangenschaft und Oberschlesien wurde unter fremde Besatzung gestellt. Nach der Freilassung der Brüder aus der Kriegsgefangenschaft, ließen sich diese zunächst in den westlichen Besatzungszonen nieder. Im Elternhaus verblieb nur noch die Tochter Anna, die 1946 den Georg Czerny aus Jarschowitz heiratete. Ein Jahr darauf ereignete sich jedoch eine furchtbare Tragödie, als Anna bei der Geburt von Zwillingen eines der Säuglinge verlor und zwei Wochen später selbst an Folgen der Fehlgeburt starb. Johann Smarzly sah sich eine Wochen nach dem Tod seiner Tochter gewzungen, am 22.07.1947 von den polnischen Besatzungsbehörden die polnische Staats- und Volkszugehörigkeit anzunehmen. Nur so ermögliche er es seinem ältesten, in den westlichen Besatzungsonen verweilenden Sohn Anton, in das von Polen besetzte Schlesien einzureisen. Anton konnte jedoch erst zwei Monate später in die Heimat zurückkehren.
1954 wurde Jörg Czerny, der wiederverheiratete Ehemann von Anna, von polnischen Milizen derart misshandelt, dass auch er bald an seinen Verletzungen starb. Die siebenjährige Tochter von Anna und Georg Czerny war nun Vollwaise und kam wieder zurück nach Reitersdorf zu den Großeltern, Onkel Anton und seiner jungen Ehefrau Hedwig, die dieser vier jahre zuvor geheiratet hatte. Vor allem die greisen Großeltern Johann und Hedwig fühlten sich nun insbesondere verpflichtet, um die Erziehung der vollwaisen Lieblingsenkelin Anna-Elisabeth zu kümmern. Bald musste sich die alte Hedwig sogar zusätzlich um die Erziehung der Kinder von Anton kümmern, nachdem ihre gleichnamige Schwiegertochter lange Zeit von schweren Krankheiten geplagt, ebenfalls gestorben ist.
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Hedwig und Johann Smarzly mit der ältesten Enkelin Anna-Elisabeth Czerny
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Bis ins greise Alter arbeiteten Johann und Hedwig auf der kleinen Landwirtschaft, welche sie dem Sohn Anton überschrieben hatten, mit. Als zum Anfang April 1958 der greise Johann vom Feld nach Hause gekommen, längere Zeit in einer kalten Scheune auf die anderen Familienmitglieder warten musste, weil er den Hausschlüssel vergessen hatte, zog er sich eine Erkältung zu, von der er sich nicht mehr erholte. Er starb im Alter von beinahe dreiundachtzig Jahren, am Mittwoch den 23. April 1958 in seinem Haus in Reitersdorf, und wurde auf dem Pfarrfriedhof in Körnitz beerdigt. Auf dem Grabstein des Mannes, der sein Leben lang von Verwandten und Bekannten „Hans“ gerufen wurde, musste jetzt die polnische Namensform Jan Zmarz³y erscheinen.

Hedwig überlebte ihren Ehemann um sechzehn Jahre. Sie starb, nachdem sie die letzten zwei Jahre ihres Lebens bettlägerig war, siebenundachtzigjährig am Montag 26. August 1974 in Reitersdorf. Aus Willkür des Körnitzer Pfarrers Ploch, wurde sie nicht ihrem Wunsch entsprechend neben ihrem Ehemann Johann beerdigt, sondern fand die letzte Ruhe in der hinteren Ecke des Körnitzer Friedhofes. 
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