Joseph II. Smarzly (1805-1874)

Joseph Zmarzli wurde als sechstes Kind des Gärtners Andreas II. Smarzly und seiner Ehefrau Hedwig Smarzly, geb. Scholz in Blaschewitz geboren. Als er am Sonntag, 20. April 1805 auf die Welt kam, waren bereits alle fünf ihm vorangegangenen Geschwister verstorben. Von den drei Taufpaten, dem Bauer Valentin Koschik, der Jungfrau Candida Konarkin und der ledigen Marina Kowalkin nach Deutsch Müllmen zur Taufe gebracht, erhielt er vom Kaplan Thomas Grabisch den gleichen Vornamen, wie sein zwei Jahre zuvor, mit nur sieben Jahren an den Pocken verstorbener Bruder.
 
Joseph besuchte in seiner Kindheit offensichtlich keine Schule, zumindest bekundete er seine Willenserklärungen in späterer Zeit mit der Zeichnung von Kreuzen als Unterschrift, übrigens gleich seinen meisten Zeitgenossen in Blaschewitz. Der zweijährige Gesindedienst, den noch seine Vorfahren in ihrer Jugend all die Jahrhunderte zuvor leisten mussten, blieb Joseph erspart, nachdem im Jahre 1807 das Gesetz über die Abschaffung der Erbuntertänigkeit und des Zwangsgesindedienstes in Preußen erlassenen wurde.
 
Vier Monate nach der Vermählung seiner drei Jahre jüngeren Schwester Hedwig, heiratete vor den Zeugen Johann Kopka (Bruder der Braut) und Andreas Kowolik, am Pfingstsonntag dem 26. Mai 1833 Joseph Zmarzly aus Blasewitz, Sohn des Gärtners Andreas Zmarzly“, in der Kirche von Deutsch Müllmen, die zwei Jahre ältere Candida Kopka. Die aus dem altem Blaschewitzer Bauerngeschlecht der Kopka stammende Candida war die zweitälteste Tochter des Bauern Johann Kopka und Enkelin des früheren Scholzen (Schultheiß/Dorfvorsteher) von Blaschewitz, Michael Kopka.
 
Zwei Jahre später aber erst verkaufte ihm sein Vater Andreas II. die Gärtnerstelle Hyp. Nr. 32 (früher Nr. 51), für zu diesem Zeitpunkt in seinem Heimatort üblichen Preis von 40 Reichstalern.
Von den 18 Familien des Dorfes die nicht Bauern waren, besaß unser Vorfahre die drittgrößte Stelle. Um das Jahr 1852 bearbeitete Joseph Smarsly 8 Morgen und 55 Ruten² Land (etwas mehr als 2 Hektar). Davon waren 7 Morgen 19 Ruten² reines Ackerland mit 1 Morgen 140 Ruten² im ersten Felde, 2 Morgen 156 Ruten² im zweiten Felde, einer über 1 Morgen 36 Ruten² großen Wiese auf der sog. „Stephanschen Karte“, sowie einem über 2 Morgen 83 Ruten² großem Stück Ackerland im ersten Felde aus dem aufgeteilten Bauerngute der Familie Stoischek. Zwei Gärtnerstellen in Blaschewitz waren mit etwas mehr als 10 Morgen größer als die vom Joseph II, die meisten nichtbäuerlichen Stellenbesitzer in Blaschewitz verfügten im Durchschnitt über 2 bzw. 3 Morgen Land.
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Auf dem Lande um 1830/40
(Aus S. u. W. Jacobeit "Illustrierte Alltagsgeschichte des deutschen Volkes, Band II")
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Ab 1842 stand der Gärtner Joseph Smarzly in Diensten der Reichsgrafen von Oppersdorff auf Oberglogau, nachdem diese das Dorf Blaschewitz von der Erben des Oberamtmanns Wullmann erkauft hatten.
Ab diesem Zeitpunkt bekleidete Joseph Zmarsli, zusammen mit dem Bauer Franz Koschiczek und dem Freigärtner Johann Speich, das Amt eines Gerichtsmannes im Ortsgericht von Blaschewitz. Die Aufgaben eines Ortsgerichtes waren in jener Zeit die niedere, örtliche Gerichtsbarkeit und die Regelung von Gemeindeangelegenheiten. Das Dorfgericht hatte das Recht Gesetze zu publizieren und seine Mitglieder, der Scholz, die Gerichtsmänner und die Gerichtsschöffen, die das Dorfgericht oder die Gerichtsbank bildeten und die Dorfobrigkeit darstellten, hatten in kleinen Streitigkeiten im Dorf Recht zu sprechen. Die Gerichtsmänner, die nächst dem Scholzen im Dorfgericht den höchsten Rang einnahmen, hatten die Dorftaxen und die Inventarverzeichnissee zu besorgen und den Scholzen zu vertreten. Sie sollten beim Bau sowie der Unterhaltung der Gemeindewege durch die Dorfbewohner, die Fuhren und Handarbeiten beaufsichtigen und kommandieren oder bei Feuersbrünsten die Löschaktionen koordinieren. Dem Ortsgericht von Blaschewitz stand in jener Zeit Josephs Vetter, der Bauer Adam Gabrisch als Scholze vor. Am 27. Februar 1842 sprach unser Vorfahre den wahren und körperlichen Eid: „Ich Joseph Smarzly schwöre zu Gott dem Allmächtigem einen wahren und körperlichen Eid, dass ich dem Könige und meiner Herrschaft sowie deren Beamten treu und gehorsam sein will. Ich schwöre, das Beste der Herrschaft und der Gemeinde zu beobachten, ihren Nutzen zu befördern und Schaden abzuwenden, dem Scholzen in seinem Dienst an die Hand zu gehen und ihn, wenn es notwendig ist, zu vertreten. Ich verspreche, bei Schätzungen der Grundstücke und anderer Sachen nach meiner Kenntnis, Einsicht und Erfahrung zu verfahren und auch so zu verhalten, wie es einem geschworenen und ehrlichen Manne gebührt. So wahr mir Gott helfe durch seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, durch die von der Erbsünde unbefleckt empfangene heilige Muttergottes Maria und alle Heiligen, zur Seligkeit. Amen.“
  
Im August 1845 wurde Josef Smarsly, neben dem Halbbauer Joseph Stoischek und dem Häusler Thomas Kitta, erneut von der Gemeinde für eine dreijährige Amtszeit gewählt, dem Gutsherrn empfohlen, und nachdem dieser keine Bedanken äußerte, vom Landrat Carl von Wittenburg als Gerichtsmann genehmigt. In dieser Amtsperiode, die bis 18. September 1848 andauerte, führte der Bauer Johann Speich die Gemeinde als Scholz und Gerichtsscholz.
 
Die zweite Amtszeit von Joseph Smarzly als Gerichtsmann war geprägt vom großen Aufruhr in unserer Heimat, wie in ganz Deutschland. Die vor 1847 aufeinander folgenden Getreide- und Kartoffelmissernten in Oberschlesien wirkten ungemein verderblich auf die arme Bevölkerung dieser Provinz. Die Not steigerten noch die Wucherpreise für Grundnahrungsmittel wie Brot oder Bier, viele Menschen starben den Hungertod. Die Hungersnot wurde zwar mit zwei guten Ernten der Jahre 1847/48 wieder behoben, doch nahmen Missstimmung und Unzufriedenheit nicht ab. Sie steigerten sich vielmehr durch die wirtschaftlichen und politischen Forderungen, die von den Führern des Volkes gestellt wurden. Ganz besonders machten im Oberglogauer Land die vielerorts noch nicht abgeschaffte Lasten- und Abgabepflichten der Landbevölkerung gegenüber den Gutsherrschaften, die Menschen auf das System wütend. Hühnerzins, Ochsengeld, Wächtergeld, Salzgeld, Spinngeld, Schinkengeld, Michaeliszins, Grundzins, Hundehafer, Mastungszins oder Mühlenzins zogen den Menschen jegliche Ersparnisse aus den Taschen, während die Herrschaften auf ihren riesigen Gütern residierten und zusätzlich Einnahmen aus ihren gutseigenen Stellmacher-, Sattler, Schmiede- Tischler-, Mehlhändler- oder Bäckereibetrieben bezogen. Den Gutsdörfern des den Reichsgrafen von Oppersdorf gehörenden Oberglogauer Majorates, zu denen seit 1842 auch Blaschewitz gehörte, stand in dieser Zeit in wirtschaftlicher Beziehung kein anderer so nahe, wie der einflussreiche Güterdirektor Küas. Gegen seine Person richtete sich daher auch die größte Wut der Bevölkerung der oppersdorfschen Dörfer. Möglicherweise war auch Joseph Smarzly mit dabei, als am 19. Oktober 1848 die Unzufriedenen der oberglogauer Majoratsdörfer den verhassten Güterdirektor durch einen Putsch, das sog. „Katzenjammer“, aus Oberglogau verjagten. Die Bewohner der herrschaftlichen Dörfer des Majorats veranstalteten daraufhin Freudenkundgebungen über die Entfernung des „Menschenschinders“, wie Küas im Volksmund genannt wurde.
 
Die Ereignisse des Jahre 1848 brachten die immer wieder hinausgezögerten Verhandlungen über die endgültige Befreiung der Bewohner der Gemeinde Blaschewitz von den verschiedensten Diensten, Verpflichtungen und Abgaben, in Bewegung. Bereits am 12. Oktober 1849 einigte man sich mit dem Besitzer des Rittergutes Blaschewitz, dem Grafen Eduard Maria von Oppersdorf, über die Ablösung der Verpflichtungen der Gemeinde Blaschewitz an die Majoratsherrschaft.
 
Am 07. Februar 1853 unterzeichnete Joseph Smarsly mit drei Kreuzen die Akte über die Ablösung der Reallasten, wonach er der Herrschaft von Oberglogau 152 Taler, 17 Silbergroschen und 9 1/3 Pfennige für seine Robotgärtnerstelle und 71 Taler, 3 Silbergroschen und 4 Pfennige für die sonstigen ihm gehörenden Felder, zusammen also rund 224 Reichstaler an Ablösungssumme zu zahlen hatte. Daraufhin war unsere Familie von jeglichen Fesseln der Feudalherrschaft befreit. Sie bestand zu jener Zeit aus dem Familienhaupt Joseph, seiner Ehefrau Candida, den drei Kindern Franz, Theresia und Johann, sowie dem auf dem Auszug lebenden Vater Andreas II, dessen dritter Ehefrau Anastasia und seiner aus der zweiten Ehe stammenden jüngsten Tochter Johanna.
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Zwei Monate nach diesem Ereignis starb Josephs alter Vater Andreas II. Nur zwei Jahre später, am 08. Oktober 1855, starb auch Josephs Ehefrau Candida Smarzly geb. Kopka, mit erst 53 Jahren an Wassersucht. Neun Monate nach dem Tod der ersten Ehefrau von Joseph, heiratete der Vater dreier jugendlicher Kinder, am Sonntag 13. Juli 1856, die dreiundvierzigjährige ehr- und tugendsame Marianna Stosiek, Tochter des bereits verstorbenen Gärtners Valentin Stosiek aus Leschnig. Zur Trauung in der Pfarrkirche St. Bartholomäus in Oberglogau, die der oberglogauer Vikar Kahl vollzog, engagierte der einundfünfzigjährige „ehr- und tugendsame Gärtner Josef Zmarz³y den Gärtner Stanislaus Jenek aus Blaschewitz (seit 25.09.1853 Ehemann einer um 1828 geborenen Gärtnertochter aus Blaschewitz Josefa Smarzly) und den Einlieger Ludwig Hadamla aus Weingasse/Oberglogau (Knecht aus Mochau, seit 03.02.1856 Ehemann einer um 1834 geborenen Magd Marianna Smarzly aus Blaschewitz) als Trauzeugen. Die sehr wahrscheinliche Verwandtschaft der Ehefrauen der zwei hier aufgetretenen Trauzeugen zu der Familie von Joseph II. Smarzly konnte bisher nicht zweifellos nachgewiesen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass Jenek und Hadamla Ehemänner von zweien bisher durch Taufeinträge unbekannten, weiteren Töchtern des Andreas II. und somit Schwestern bzw. Halbschwestern von Joseph II. waren.
 
Noch rund zehn Jahre arbeitete Joseph Smarzly als freier Mann auf der Blaschewitzer Gärtnerstelle, ehe es zu einem Generationswechsel kam und Joseph seinen Kindern ihren Erbteil bzw. Mitgift zur Verfügung stellte. Am 11. Februar 1867 heiratete seine älteste Tochter Theresia den Arbeiter Carl Kamionka aus Bud/Neuvorwerk. Das junge Ehepaar lebte noch rund drei Jahre als Einlieger in Blaschewitz, währenderer sich Karl als Hofknecht verdiente. Danach zog die junge Familie nach Oberglogau, wo Carl als Postillion (Postkutscher) Arbeit fand. Zwei Wochen nach der Eheschließung von Theresia kam auch ihre Tante Johanna, die jüngste Halbschwester von Joseph II, unter die Haube. Nach der Heirat mit dem Gärtner Johann Schlotawa aus Kujau verließ auch sie Blaschewitz und ging in den Heimatort ihres Ehemannes, wo ein Jahr später die Tochter Franziska geboren wurde. Wohl in gleicher Zeit hatte auch der älteste Sohn von Joseph II, Franz seine Ehefrau Maria Pollak geehelicht und gleichzeitig die Gärtnerstelle des Vaters übernommen.
 
Nachdem er als Auszügler noch die Einigung des Deutschen Reichs durch den Reichskanzler von Bismarck im Jahre 1871, sowie die Wahl seines ältesten Sohnes Franz zum Ortsgerichtsscholzen von Blaschewitz im Juni 1874 erlebt hatte, starb Joseph Zmarsly am Mittwoch, den 19. August 1874, mit 69 Jahren am „Lungenschlag“ und wurde am 22. August in Wiese Pauliner - Mochau beerdigt.
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